Month: January 2009

  • Zentralbali und der Norden

    Mit meinem Aufenthalt mit Bali geht es leider langsam dem Ende entgegen, in zwei Tagen fliege ich für den Visa-Run nach Singapur. Mein Visa ist ja nur 30 Tage gültig, also habe ich die Wahl zwischen jemandem Geld zu bezahlen, oder kurz aus dem Land auszureisen und wieder einzureisen, für die nächsten 30 Tage Visa. Fe meinte, man sollte die Korruption wirklich nicht noch mehr unterstützen, was ja definitiv Sinn macht, also nutzen wir die Gelegenheit und fliegen für ein paar Tage nach Singapur.

    Letzte Woche fuhren wir in den Nordwesten von Bali, dort hat es eine kleine Insel, die als der beste Dive-Spot in Bali gilt. Also haben wir uns wieder ein Auto gemietet und sind 4 Stunden in Richtung Norden gefahren. Dabei fuhren wir durch die Berge, laut Karte geht es immerhin auf 3000 Meter Höhe, nicht sooo schlecht für die Grösse der Insel :) Die Landschaft um die Berge besteht zu sehr grossen Teilen aus Reisfeldern, was hier wohl die Haupteinnahmequelle ist. Der Tourismus spielt da offenbar eine viel kleinere Rolle, als im Süden. Die Strassen erinnern an einfachere Passstrassen in der Schweiz, auch hier hat es langsame Lastwagen, allerdings sind die extrem schrottreif und haben einen Feinstaub-Ausstoss, der in der Schweiz kaum toleriert würde. Sprich man ist öfters am Überholen, da man nicht wirklich lange hinter so einem Ding fahren will.

    Übernachtet haben wir im Mimpi Ressort, eine gemütliche Anlage in einer kleinen Mangroven-Bucht. Im Gegensatz zu vielen anderen Hotels gibt sich Mimpi die Mühe, die Natur rund um das Hotel zu erhalten. Natürlich ist das immer relativ, das Restaurant steht schliesslich auch direkt am Wasser und da waren vorher sicher auch Mangroven. Mit Tauchen wurde dann leider nichts, ich habe mir offenbar durch das viele Schwimmen eine kleine Ohrenentzündung geholt und die machte sich genau in der Nacht bemerkbar, wo ich am nächsten Morgen tauchen wollte. Zum Tauchen ist ein funktionierender Druckausgleich in den Ohren sehr wichtig und damit war leider nicht mehr viel zu machen. Also haben wir uns aufs Schnorcheln beschränkt, was auch nicht schlecht war. Die Riffe waren halbwegs in Ordnung, allerdings gab es viel Müll im Wasser, welcher leider effektiv von einem kleinen Kloster kommt, das auf dieser geschützten Insel steht…

    Sonst sind wir wie immer etwas am rumreisen, vor einigen Tagen waren wir noch am Uluwatu Beach, dem Hardcore-Surfer Spot. Sprich die Wellen sind ziemlich heftig & die Küste besteht mehr oder weniger nur aus Felsen. Wer nicht aufpasst kriegt dort zumindest heftige Schrammen. Am Abend gibt es immer sehr gutes Essen, Fe kennt eine endlose Anzahl an guten Restaurants. Allerdings hat sie wirklich nicht den Hauch von einem Orientierungssinn, sprich es dauert meistens etwas länger, bis wir nach langem Fragen den Ort finden. Sie meint dazu nur I know places but I don’t know directions. Kann ich nur bestätigen :)

    Die Landschaft in ZentralbaliReisfelder in den BergenSicht vom Restaurant aus beim Mimpi RessortUluwatuDie Küste bei UluwatuChinese New Year in einem Buddhistischen Tempel

  • Ubud zum zweiten

    Die vergangene Woche waren wir wieder in Ubud, allerdings ein paar Tage länger.  Bei der Anfahrt gab es in einem kleinen Dorf eine Hindu-Zeremonie, das heisst der Verkehr ist für die Dauer der Zeremonie gesperrt und alle warten freundlich, ohne zu hupen oder sonst irgendwie gestresst zu reagieren. Laut Fe ist das auf Bali normal und man begegnet dem regelmässig auf der Insel. Ich habe die Chance also genutzt, um meinen eingelegten Schwarzweissfilm mit Fotos zu beglücken, allerdings habe ich eine gewisse Distanz gehalten, um nicht nervend zu werden. Nach der Zeremonie gibt man die Strasse frei und alles geht weiter wie vorher.

    In Ubud selber waren wir in einem extrem schönen Guesthouse, bestehend aus einigen Villen mit starken Einflüssen balinesischer Bauweise. Sprich alle Türen und Türrahmen bestehen aus Holzschnitzereien und an den Aussenwänden sind Reliefs in Sandstein gemeisselt, die ebenfalls sehr detailiert sind. Im extrem grünen Garten waren vielen Statuen von Ganesh & co und einen schön integrierten Pool gab es ebenfalls. Wenn einem auch noch das Früstück auf die Veranda gebracht wird, kann es eigentlich nur perfekt sein! Und das für 50Fr. pro Nacht.

    Am Nachmittag war jeweils Erkunden von Ubud und der Umgebung angesagt. Reisfelder werden durch die etwas hügelige Landschaft auch gerne direkt in den Hang gebaut, was natürlich bevorzugte Motive für Fotos sind. Auch sonst werden Touristen stark angesprochen, Ubud gilt als die Künstler-Hochburg und somit kann man an jeder Ecke Statuen, Schnitzereien, Reliefs, Tücher und Masken kaufen. Ein paar wenige Dinge habe ich auch gekauft und mit Fe als Verhandlungspartner kriegt man es zu Preisen, von denen ich nur träumen könnte :)

    Den Abend verbrachten wir jeweils in gemütlichen Restaurants, am letzten Abend trafen wir noch einen Maler aus Beligen, den ich vor einem Jahr in Kuala Lumpur kennen gelernt habe. Er kam mit seiner Frau, einer Balinesin, und ihrem 5 Monate alten Kind. Sie erzählten uns etwas von den Problemen, die sie in einer relativ klassischen Balinesischen Familie haben. Viel Toleranz gibt es da nicht, die ursprünglichen Familien sehen es nicht gerne, wenn man mit einem Ausländer verheiratet ist. Sie war auch Hindu und hat sich relativ kritisch zu den ganzen Zeremonien geäussert, offenbar investiert man als gläubige Familie nicht wenig Geld und Zeit in Gaben & Zeremonien.

    Die Nacht auf Freitag verbrachten wir im Westen von Bali an einem Strand (Candidasa), wo es eigentlich nur überteuerte Hotels gab, die nicht ansatzweise den Charme von unserem Guesthaus in Ubud haben. Ziel war allerdings weniger das Hotel als das Dorf Denganan, welches als eines der ältesten Dörfer in Bali gilt und ihre eigenen, sehr speziellen Traditionen noch aufrecht erhält. Es ist eine kleine Gemeinschaft von 200 Familien, die nach eigenen Regeln lebt und eine Form von Hinduismus pflegt, die ohne Kasten auskommt. Die übrigen Hindus in Bali richten sich nach wie vor nach der Kasten-Hierarchie und befolgen das auch mehr oder weniger stark.

    Das Dorf selber hat auch keine Strassen und die Häuser sehen aus, wie aus einer anderen Zeit. Die Bewohner sind sehr gemütlich und Fe hat sofort den Draht gefunden und zwei Stunden mit einem 70 Jährigen Korbflechter gesprochen, der uns die Gesichte vom Dorf detailiert erzählt hat. Was also eine spannende Abwechslung zum heutigen Bali.

    Tja und jetzt sitze ich wieder am Pool in der Villa und schreibe meinen Eintrag, später geht es wohl noch an den Strand und noch später wieder an irgend eine Party. Ich melde mich später wieder :)
    Unsere Zuhause in UbudAm Pool in CandidasaDer Korbflechter in DengananNachtessen beim Echo BeachBeachgirls

  • From Bali with Love

    So nun bin ich schon über eine Woche da und ich kriege die ersten Emails mit Fragen, also bloggen wir mal :-) Sitzen tue ich gerade am Pool, mit einer relativ brauchbaren Internet-Anbindung, sprich Ping-Zeiten von >500ms aber unter 1s :) Da kann man sogar noch in einer SSH Shell IRC machen.

    Der Trip war wie immer sehr lange, angekommen bin ich Silvester um 16 Uhr Ortszeit. Später machte mich mal die Immigration stinkig, ich musste feststellen, dass mein Visa on Arrival nur 30 Tage gültig ist, irgendwie blöd wenn man erst in 6 Wochen nach Hause kommt. Danach gings zur Immigration selber, wo der Typ so lange stinkig war, bis er den Nachnahmen von Fe sah… nun war dann irgendwie alles kein Problem und er gab mir noch seine persönliche (!) Telefon-Nummer, um das mit den 30 Tagen zu regeln. Machen wir allerdings lieber selber…

    Nach einem letzten Hop kamen wir dann in Bali an, danach gings zu einem Kollegen von Fe (Mamsa), der hier eine Villa hat. Also haben wir uns in seinem Gästezimmer einquartiert, geduscht und im Taxi an die Party kurz Happy New Year geschrien. 4 Minuten nach 12 waren wir dann im Living Room, einem ziemlich hippen Restaurant mit kleinem Club.  Mamsa hat dort aufgelegt, also war für den Rest der Nacht Party angesagt. Sehr erschöpft ging es dann gegen Morgen ins Bett, wo ich meinen 30 Stunden Trip auskurieren konnte.

    Später machten wir gleich weiter mit Party, vor dem 5. Januar war Bali noch komplett voll, sprich überall sehr viele Leute und viel Party, also haben wir tapfer mitgemacht. Tagsüber waren wir am Strand oder im Pool und haben die ersten Freunde von Fe kennen gelernt. Ab Montag wurde es dann deutlich ruhiger, es hat immer noch Touristen, aber nie mehr so viele wie vorher, also alles sehr angenehm.

    Die letzten Tage sind wir  Bali erkunden gegangen, zuerst fuhren wir mit einem Mietauto nach Ubud, was umgeben von sehr schönen Reisfeldern ist. Fe hat allerdings so ziemlich gar keinen Sinn für Richtungen , also war der Tag eher im Kreis fahren als viel sehen ;) Wir wollen aber später noch einige Tage in Ubud verbringen, um die Landschaft dort noch genauer anzusehen. Später haben wir uns einen Roller gemietet, der kostet fast nichts also brauchen wir nun in erster Linie dieses Ding. Allerdings wird es auf die Dauer etwas mühsam, der Verkehr ist extrem chaotisch, die Luft auf der Strasse mies und die Sonne stark. Das Land lernt man aber effektiv am besten auf diese Weise kennen, da man viel eher mal anhalten kann als im Auto.

    Bali selber gefällt mir sehr gut, im Vergleich mit Thailand hat es deutlich mehr Stil. Viele Häuser haben noch diese typischen Verzierungen, wirklich schlimme Beton-Bauten sieht man zumindest vergleichsweise wenig. Die Dörfer sind auch mehrheitlich schön, leider wird aber auch hier der Abfall in erster Linie irgendwo auf einen Haufen geschmissen und einmal am Tag mit Benzin angezündet. Sprich die ganze Insel stinkt am Abend nach Rauch. In den kleinen Städten ist mir das allerdings bis jetzt nicht begegnet, Fe meinte es gäbe sowas wie eine echte Müllverbrennung und der Abfall werde gesammelt. Trotzdem liegt vorallem auf dem Land extrem viel Plastik und Bauschutt rum, und ersteres sieht man dann an einigen Stränden jeweils wieder im Wasser am rumschwimmen. Grund dafür ist, dass früher alle Essensverpackung aus Bananenblättern gemacht worden sind, die konnte man ohne Probleme einfach wegschmeissen, mit Plastik funktioniert das natürlich nicht mehr so einfach.

    Die Leute sind mir bis jetzt alle sehr sympatisch, ich wurde noch von allen sehr freundlich empfangen und konnte mich schnell mit ihnen unterhalten. Zumindest die FreundInnen von Fe sprechen auch alle ausgezeichnet Englisch, das liegt aber sicher auch daran, dass praktisch alle aus reichen bis sehr reichen Familien kommen und in Australien, Amerika oder Europa studiert haben.

    Sonst gibt es bis jetzt nichts spektakuläres, ich war noch nicht heftig motiviert an meinen Dingen zu arbeiten. Ab und zu helfe ich Mamsa etwas zu reparieren, der hat hier einiges an Elektronik fürs DJing und Internet, was in schlechtem Zustand ist. Also besorgt er jetzt mal einen Lötkolben, so kann ich mich etwas nützlich machen und das Material wieder hinkriegen.

    Gestern habe ich auch das erste Mal etwas TV geschaut, Israel macht sich hier gerade wieder einen tollen Ruf: Im Fernsehen sieht man fast ununterbrochen Berichte aus Gasa, mehrheitlich mit Bildern, die bei uns so nie gesendet würden (sprich massenhaft Blutlachen und zerfetzte Körper), unterlegt mit trauriger Musik (so wie damals am 11. September auf sämtlichen Kanälen). Man sieht auch Bilder aus Israel, das sind dann aber meistens Leute in sauberen, organisierten Spitälern und einige Beerdigungen. Sprich der allgemeinen Meinung bezüglich Israel hier hilft dieser Angrif sicher nicht…

    Anyway so viel für den Moment, ich werde später mal wieder etwas posten. Es ist übrigens gefühlte 30°C :)

    Poolside HackingChillout beim PoolReisfelder in UbudFrom Bali with Love