Month: September 2008

  • Tour de Seoul

    Nach der LIFT bin von Jeju nach Seoul geflogen, wo ich mich in Fes 1-Zimmer Appartment einquartiert habe. Da sie tagsüber arbeiten musste war es an mir, mich zu beschäftigen. Wie zu erwarten traf ich aber an der LIFT viele Leute und in Korea ist es offenbar üblich, das jeder und jede eine Visitenkarte hat und die inflationär weiter gibt. Sprich innerhalb von kurzer Zeit hatte ich einen Berg von Karten und selber natürlich keine mehr, da ich darauf nicht vorbereitet war. Am Sonntag begann ich also mal einige der Leute zu fragen, ob sie diese Woche noch Zeit für ein Treffen in Seoul hätten, was alle sehr gerne angenommen haben.

    Seoul selber ist eine ziemlich spezielle Stadt, vor allem für mich aus der kleinen Schweiz. Die Stadt ist wirklich riesig, vom Flugzeug aus wirkt sie wie eine sehr volle Spielkarte in Sim City 2000! Man sieht nicht enden wollende Quartiere mit unterschiedlichen Häusern, Flüssen, Hügeln und Strassen. Um vom Flughafen am Stadtrand (Gimpo) zu Fes Wohnung zu fahren, war ich 90 Minuten (!!) per Metro unterwegs, und das permanent in der Stadt. Selbstverständlich war dies nur ein Bruchteil des riesigen Metro-Netzes hier. Die folgende Woche verbrachte ich also tagsüber mit Metro fahren, um einige der über 10 Millionen Einwohner zu besuchen, die ich nun kannte.

    Im Gegensatz zu Südost Asien ist Seoul viel näher an Europa. Man befindet sich zwar klar in Asien, was man an Dingen wie der oftmals sehr hässlichen Architektur in den Städten, den vielen Leute auf den Strassen, Streetfood, Leuchtreklamen und viel zu viel Verkehr erkennt. Aber zwischendurch findet man wunderschöne Quartiere, die ähnlich einer Altstadt in Europa koreanische Architektur pflegen oder man findet sich plötzlich in einem Quartier voller kreativ kleiner Häuser und Gallerien, das auch irgendwo in einer europäischen Stadt stehen könnte.

    Leben bedeutet hier folglich für die meisten Leute auch Hardcore-Kapitalismus. Arbeiten ist hier definitiv Lebensinhalt. 45-60 Stunden pro Woche zu arbeiten ist laut den Leuten, die ich kennen gelernt habe eher die Regel, als die Ausnahme. In einigen Firmen geht man nach wie vor nicht nach Hause, bevor der Chef dies tut. Die Metro schliesst um Mitternacht und Fe meinte mal, wenn dies nicht der Fall wäre, würden sie wohl auch die halbe Nacht durch arbeiten. Gerade viele Junge Leute sind damit nicht mehr wirklich zufrieden. Ich hatte sehr spannende Gespräche mit einigen, von sehr linken Jungs die sich fragen, wohin es nach dem Kapitalismus führen könnte, bis zur Wirtschafts-Studentin, die sich offenbar noch nie gefragt hat, ob Kapitalismus vielleicht für irgendjemand Nachteile haben könnte. Sie beklagte sich aber darüber, das arme Leute eifersüchtig auf die Reichen seien und deren Geld wollten. Ein Problem war aber offensichtlich: Fast alle besser gebildeten Jungen wünschen sich früher oder später einen Job im Aussland, sprich das Land leidet unter Braindrain. Für mich ist das allerdings unter den gegebenen Umständen auch kaum erstaunlich, ein Leben nach der Arbeit gibt es hier für viele nicht.

    Ich habe hier also ein spannendes, komplett anderes Asien kennen gelernt, als dies z.b. letztes Jahr in Thailand & Umgebung der Fall war. Für mich war die Woche super spannend, zumal ich auch von Firmen wie Daum (quasi Google von Korea) eingeladen wurde und sie alle hell begeistert waren von meinen Ideen & Projekten (netlabs.org). Daneben habe ich 4 Universitäten besucht (davon gibt es hier unendlich viele) und auch einen Programmierer von netlabs.org getroffen, den ich zwar seit Jahren kenne, aber noch nie gesehen habe. Alles in allem eine sehr lustige Woche, die am Freitag Abend in einem der vielen Quartieren endete, wo sich die StudentInnen in der Nacht rumtreiben und abstürzen. Ah ja Alkohol wird übrigens hier auch massiv konsumiert und das mit der Begründung, dass man sich locker die Kante geben darf, wenn man soviel arbeitet unter der Woche. Der Staat zahlt übrigens auch eine Prämie pro Kind (zuwenig Nachwuchs), allerdings bin ich der Meinung, eine 40-Stunden Woche hätte diesbezüglich deutlich bessere Auswirkungen auf das Sexleben der Koreaner…

  • LIFT Asia 08

    Am 2. September gings mal wieder in Richtung Asien, allerdings etwas weiter östlich als bisher, konkret nämlich nach Südkorea. Sylvie hat mich an die LIFT Asia 08 eingeladen, eine Konferenz die für mich etwas schwer einzuordnen war, aber die Topics klangen interessant & in Südkorea war ich auch noch nie. Grund genug, den Trip zu buchen.

    Der Flug war wie immer zu lang und Lufthansa wollte für die 3 Kilo Übergewicht (nicht ich, die Schokolade, der Wein & der Käse für Fe) satte 160Fr mehr… Air Korea war da deutlich freundlicher und meinte nur “no problem”. In Jeju angekommen gab es eine freudige Überraschung, mein Pimp-Hotel hat irgendwie kapiert, dass ich einige Tage vorher Geburstag hatte und sang nicht nur Happy Birthday an der Reception, nein ich kriegte auch ein Room-Upgrade mit Garten & Meeressicht, sowas sieht man doch gerne :-). Nach einer Dusche gings an das Speakers-Dinner (danke Laurent für die Einladung) und bald sprach man kreuz und quer mit allen, die gerade am Tisch waren. Die LIFT konnte also beginnen.

    Am nächsten Morgen war zuerst barCamp angesagt, das scheint eine offene Variante von O’reillys foo camp zu sein. Neben mich setzte sich Bruce Sterling, der massgeblich für die cyberpunk Bewegung verantwortlich war. barCamp kannte ich nicht, in der Schweiz ist mir sowas aber schon unter dem Titel Birds of a Feather bei SWITCH meetings begegnet. Bei solchen Treffen geht es darum, ad-hoc mässig anderen Leuten etwas in kurzer Zeit vorzustellen, gefolgt von einer kleinen Diskussion. Sowas kann ich natürlich nur unterstützen, also gab ich eine kurze Präsentation von Voyager, der Idee, die ich mit netlabs.org am entwickeln bin. Bruce meinte später, dass er die Idee sehr cool finde, was mich natürlich gefreut hat. Auch die Koreaner waren davon begeistert, ich konnte die Präsentation später nochmals vor einer anderen Gruppe machen und auch dort gab es viel Interesse und es folgten sehr gute Diskussionen mit Leuten aus unterschiedlichem Background.

    Am Nachmittag ging dann die eigentliche Konferenz los, das Programm war voll gepackt mit einigen sehr interessanten Leuten. Der Start überzeugte mich allerdings nicht, die ersten paar Vorträge fand ich eher enttäuschend. Spätestens ab dem Vortrag von Sarah wurde es aber wirklich spannend und die beiden folgenden Tage waren allesamt sehr überzeugend und interessant. Ich werde noch meine Empfehlungen abgeben für die Vorträge, die mir persönlich wirklich etwas gebracht haben. Allerdings müssen wir der LIFT Crew noch etwas Zeit lassen, bis sie online sind.

    Das wirklich coole an der LIFT ist aber das Networking, in den (absichtlich langen) Pausen beginnt man einfach mal etwas mit den Leuten um einem herum zu sprechen, da passiert es dann mal das man sein Gegenüber fragt, was er so macht respektive machte und der meint dann locker er sei CEO von Atari gewesen weil der die gekauft habe. Sowas passiert mir an Konferenzen eher selten… Am Freitag Abend gab es dann noch Karaoke wo ich am Schluss mit Bruno Frank Sinatras My Way gesungen habe, ein klasse Abschluss eines Abends ;)

    Es gäbe noch viele zu erzählen aber für den Moment reicht es mal. Ich bin nun in Seoul und treffe mich noch mit diversen Leuten, die ich an der LIFT kennen gelernt habe, da Fe tagsüber am Arbeiten ist. Mehr Infos später & hoffentlich auch noch einige Bilder!

    Danke an Sylvie, Laurent & die ganze LIFT Asia Crew für das Organisieren, Jeju hat wirklich Spass gemacht!

    Update: Mehr Bilder von meinem mini-Vortrag bei Flickr.